Von Johnsons Crossing bis Dawson
Mit dem Kanu unterwegs am Teslin und Yukon River
11.6. – 3.7.2017

Unsere Ausrüstung

Ein Traum wird wahr! Schon seit unserem ersten Urlaub in Alaska 2001 träumten wir von einer Kanu-Tour am Yukon. Viele andere Ziele schoben sich dazwischen. Heuer nahmen wir diesen Traum in Angriff.
Da wir das meiste unserer Ausrüstung mitnehmen wollten, testeten wir vor unserem Abenteuer diese noch bei einem Trip auf der Donau. Unser Boot blieb aber zu Hause – das gibt’s in Kanada zum Ausleihen.

Whitehorse

Der Flug von Frankfurt nach Whitehorse konnte erst mit Verspätung starten und musste eine andere Route wählen. Diese führte über den Norden Grönlands so dass wir die Nordküste und das Packeis sehen konnten. Es war ein beeindruckender Anblick.
In Whitehorse angekommen mussten wir erst einmal die Verpflegung und diverse Ausrüstungsgegenstände noch einkaufen. Einiges bekamen wir auch bei Up North Adventures. Trotz Vorplanung benötigten wir dafür fast den ganzen Tag.

Johnsons Crossing

Am nächsten Tag wurden wir von unserem Bootsverleih am Campingplatz abgeholt und es ging mit dem Boot am Dach nach Johnsons Crossing. Dort verstauten wir unsere Ausrüstung samt den zwei Tonnen für Lebensmittel im Boot. Auch wenn wir nicht mit einer Kenterung rechneten wurde alles fest verzurrt und am Boot angehängt.
Die Flusskarten hatten wir bei Up North Adventures gekauft und Maria war – neben dem Fotografieren während der Fahrt auch für die Navigation zuständig. Am ersten Tag hatten wir nur eine kurze Strecke geplant und nach gut 3 Stunden legten wir auf Henry Island an um unser Camp aufzuschlagen. Bereits auf dieser kurzen Strecke bekamen wir mehrere Seeadler zu sehen.
Der Campaufbau ging rasch, und ich konnte noch ein wenig fischen. Zum Abendessen gab‘s Spagetti.

100 Miles Landing

Am nächsten Tag scheint die Sonne aber es ist saukalt. Am Boot ist noch Reif und wir machen uns einen heißen Tee zum Frühstück. Dann heißt es wieder Boot einräumen und alles verzurren.
Bei Hundred Mile Landing machen wir halt und schauen uns die alten bereits verfallenden Hütten an. Daneben steht eine neue, aber es ist niemand da.
Der Teslin gleicht hier eher einem See als einem Fluss und es gibt nur eine geringe Strömung.

Moose (Elch)

Das Wetter wechselt schnell und wir können uns bei einem Stop noch schnell die Regenhosen anziehen bevor es zu regnen anfängt. Nachdem wir auch heute wieder einige Seeadler gesehen haben entdecken wir nun einen Elchbullen im Wasser. Wir lassen uns vorbeitreiben und Maria macht einige Fotos. Als wir auf einer Insel ein schönes Camp finden scheint schon wieder die Sonne. Unser reinigendes Bad im Fluss fällt wegen der Wassertemperatur eher kurz aus.
Am nächsten Tag sitzt am Ufer gegenüber ein Adler und wir können ihn während des ganzen Frühstücks beobachten. Dann geht’s wieder weiter.
Dann und wann kann man am Ufer Reste aus der Goldgräberzeit entdecken. Es ist allerdings nicht immer möglich, an Land zu gehen, da das Ufer sumpfig ist.

Teslin Crossing

Am vierten Tag meint es der Wetter Gott gar nicht gut mit uns. Es regnet von der Früh bis zum Abend. Dazu bläst kalter Wind. Obwohl wir die ganze Zeit paddeln ist mir nicht sehr warm. Doch Elche lieben anscheinend den Regen und wir können wieder eine Elchkuh mit einem Jungen beobachten. Heute machen wir Halt bei Teslin Crossing. Hier quert eine Winterstrasse den Fluss. Bei strömenden Regen schlagen wir unser Lager auf und begeben uns dann auf die Suche nach Feuer Holz. Walter schafft es auch bei diesem Wetter ein wärmendes Feuer zu entzünden und wir genießen einige Zeit später Eierspeise mit Gemüse und selbst gebackenes Brot.

Inselcamp vor der Mündung des Teslin in den Yukon

Die Sonderprüfung Dauerregen haben wir gut gemeistert. Ab jetzt ist uns der Wettergott freundlicher gesinnt. Es regnet zwar auch fast jeden Tag, aber meist nur kurz. Wir besuchen Mason’s Landing eine ehemalige Schiffsanlegestelle und finden einen wunderschönen Lagerplatz auf einer Insel, ca. 11 km vor der Mündung in den Yukon.

Steamer Evelyn

Heute legen wir die letzten Kilometer am Teslin zurück. Gegen Mittag erreichen wir die Einmündung in den Yukon und besuchen die Reste der einst sehr bedeutenden Siedlung Hootalinqa. Kurz darauf kommt Shipyard Island, wo wir uns den Raddampfer Evelyn (später wurde sie Norcom genannt) anschauen. Alle Schiffe am Yukon wurden vor dem Winter an Land gezogen, um sie vor dem Eis zu schützen. Wenn man die Dimensionen und die Reste der alten Winschen sieht, kann man sich vorstellen, wie schwer die Arbeit damals war…

Carmacks - Campground - Lagerfeuer mit Gleichgesinnten

Nach acht Tagen erreichen wir Carmacks. Hier genießen wir die Annehmlichkeiten der Zivilisation und duschen uns ausgiebig.
Eine Gruppe Fischer macht ein Lagerfeuer und kurz darauf sitzen wir und andere Kanufahrer um das Feuer herum. Es wird ein lustiger Abend und die Whiskyflaschen werden herumgereicht.
Bevor es am nächsten Tag losgeht, essen wir im Roadhouse noch einen Burger, dann verabschieden wir uns wieder von der Zivilisation. Wir passieren die Brücke von Carmacks, ein paar Häuser rechts und links des Flusses, dann hat uns die Einsamkeit wieder.

FFR - Im Hintergrund die Aussichtsplattform vom Highway

Gegen Mittag erreichen wir die berüchtigten Five Finger Rapids. Zur Zeit des Goldrausches waren die FFR eine echte Herausforderung für die Schiffe. Bei dem zur Zeit herrschenden Wasserstand und dem guten Wetter war die Passage keine Herausforderung. Ein wenig Wasser schwappte trotzdem ins Kanu.

Fort Selkirk

Nach Minto wird der Yukon ziemlich unübersichtlich. Es gibt unzählige Inseln im Fluss, was die Navigation enorm erschwert. Echte Landmarken gibt es nur wenige. Nach einem langen Tag erreichen wir schließlich (im Regen) Fort Selkirk. Hier gibt es ein großes Camp. Jeder, der hier unterwegs ist, schaut sich das verlassene Dorf an und wir treffen einige Bekannte aus Carmacks wieder. Der Ort wurde in den 1950er Jahren aufgegeben, nachdem der Alaska Hwy fertig gestellt war. Vorher war Fort Selkirk ein wichtiger Handelsposten am Yukon. Der Ort hat auch heute keinen Straßenanschluss. Frieda, eine First Nation, die früher hier gelebt hat, hat sich mit Robert, einer unserer Carmacks-Bekanntschaften hier verabredet. Lange sitzen wir am Lagerfeuer und lauschen ihren Erzählungen.

Camp nach Gewitterregen

Am nächsten Morgen ist Frieda wieder da. Im Museum, welches gerade eingerichtet wird erfahren wir mehr über das Leben hier, als das Dorf noch bewohnt war. Erst gegen Mittag kommen wir schließlich weg. Heute haben wir nicht so richtig Schwung und wir paddeln nur 3 Stunden. Dann suchen wir uns ein Camp. Das ist eine gute Entscheidung. Kaum haben wir unser Lager aufgebaut, öffnet der Himmel seine Schleusen. Obwohl wir im Wald einigermaßen geschützt stehen, steht der Boden bald unter Wasser. So heftig hat es noch nie geregnet…. Gut, dass wir unser Tarp aufgestellt haben. So können wir wenigstens im Trockenen Pancakes backen und die Nachmittagsjause genießen.

Kaffee am Kirkman Creek

Am Ufer entdecken wir – mitten im Nirgendwo – ein Schild „Coffee in 9 km – You are welcome“. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Nach einer Stunde entdecken wir eine kleine rote Haarschleife die an einem Ast festgebunden ist. Wir legen einmal an – vom Ufer aus ist nichts zu sehen und wir müssen zuerst die Böschung erklimmen. Und wirklich – hier stehen ein paar (baufällige) Hütten. Auf einem ausgetretenen Weg kommen wir zur ersten Hütte. Zwei Damen empfangen uns. Hier gibt es tatsächlich Kaffee und Kuchen. Der Kaffee wartet in einer Thermoskanne (wir sind heute die ersten- und wahrscheinlich auch letzten Gäste). Wir bestellen Tee…. Der Applepie schmeckt vorzüglich.

Mündungsdelta White River

Die Mündung des White River ist nicht zu übersehen und zu überhören. Der Fluss mündet in einem riesigen Delta in den Yukon und nimmt Unmengen an Sediment und Holz mit. Ab jetzt hört man den Sand im Wasser am Kanu schleifen. Dieses Geräusch ist nun unser ständiger Begleiter. Außerdem ist jetzt mehr Aufmerksamkeit gefordert, da der Fluss viele Untiefen hat und ständig irgendwo Bäume mitten im Fluss hängen geblieben sind. Man muss die Strömung genau beobachten, um nicht irgendwo in eine Sackgasse zu fahren.

Inselcamp

Die nächsten Camps schlagen wir fast immer flachen Inseln auf. Dort gibt es auch meistens genug Schwemmholz zum Feuermachen. Ein Problem macht uns allerdings der Sand des White Rivers. Er ist so fein, dass unser Wasserfilter bereits immer nach kurzer Zeit gespült werden muss. So müssen wir uns andere Wasserquellen suchen – z.B. Regenwasser. Wir sehen jeden Tag Seeadler und können auch Elche beobachten. Leider haben wir kein Glück (?!) und sehen keinen Bären.

Dawson

Nach 16 Tagen erreichen wir Dawson, unser Ziel. Bei der Trading Post geben wir das Boot und die geliehene Ausrüstung zurück. Wir quartieren uns im Bunk House ein, ein relativ günstiges Hotel. Nach einer ausgiebigen Dusche und mit frischer Kleidung machen wir uns auf den Weg in den Ort. Erfreut stellen wir fest, dass sich nicht viel seit unserem letzten Besuch 2001 verändert hat. Wir lassen uns vom Flair gefangen nehmen und schlendern auf alt bekannten Wegen. Leider geht nach einem Tag unser Flugzeug zurück nach Whitehorse. Lieber wären wir noch mit dem Kanu weitergefahren. Aber der Urlaub neigt sich dem Ende zu.

150 Jahre Canada - Canada day

In Whitehorse campieren wir wieder am Robert Service Campground. Wir laufen noch einen Tag in der Hauptstadt des Yukon Territory herum lassen es uns gut gehen und nehmen an den Feierlichkeiten zum Canada Day teil. Damit ist unser wunderschöner Urlaub auch schon wieder zu Ende. Aber: Fortsetzung folgt…